Nun sind die Kinder aus dem Haus

Soeben hat der Flieger abgehoben, der unsere Tochter nach Neuseeland bringt. Zusammen mit ihrem Freund hat sie einen Job in Wellington angenommen. Der Arbeitsvertrag gilt vorweg für zwei Jahre, Verlängerung möglich. Open end! Die Spannung ist groß. Genauso groß wie die Melancholie, die sich in meinem Inneren ausbreitet. Musste das sein?...

 

Auch unser Sohn ist seit einiger Zeit aus geschäftlichen Gründen von zuhause ausgezogen. Er wohnt mit seiner Freundin in Salzburg und hat dort eine Firma gegründet. Sie haben eine schöne Wohnung am Stadtrand und Büro im Zentrum angemietet.

Beide Kinder haben ihren Heimatort verlassen und es sieht nicht nach einer Rückkehr aus, es sei denn, um uns zu besuchen.

Dies ist aber nur die Vorgeschichte zum eigentlichen Thema!

 

Unser Haus ist zu groß geworden!

2 Zimmer, der halbe Keller und der Dachboden stehen leer, bzw. werden 14 Tage im Jahr genützt, und das ist schon übertrieben. Die guten Ratschläge, die Kinderzimmer als Büro, Gästezimmer, Bügelzimmer, Fitnessraum, Herrenzimmer oder Bibliothek zu nützen, fallen nicht auf fruchtbaren Boden.

Wenn man ein Haus baut, will man allen Eventualitäten gerecht werden und greift meist zu hoch! Ein Bügelzimmer entspricht nicht meinem Verständnis als Hausfrau. Ich will im Wohnzimmer beim Fernsehen bügeln und nicht abgeschottet wie ein Hausmädchen aus dem vorigen Jahrhundert. Und überhaupt: Wann und wie oft bügle ich wirklich?

Das gut gemeinte Fitness-Zimmer ist schon einmal an der Ausdauer der Benützer gescheitert und hat zum Verkauf der beiden hoch technischen Fitness-Geräte geführt, von deren Erlös wir ein Wellness-Weekend samt Feinschmecker-Menü in Anspruch nahmen.

Ein Herrenzimmer wiederum entspricht nicht meinem emanzipatorischen Gedankengut und steht nicht ansatzweise zur Debatte. Sollen die Herren doch ihren Whiskey und das dazugehörende Pfeifchen auf der Terrasse genießen; und wenn es kalt ist im Winter, gibt’s einen Heizstrahler!

Und das Gästezimmer wird sowieso immer überbewertet, denn wie oft hat man denn Gäste? Und schlafen diese nicht lieber in einer netten Pension oder in einem Gasthof in der Nähe? Dann sind sie unabhängig und müssen das Badezimmer nicht mit dem Hauseigentümer teilen!

Bleibt noch die Idee, eine Bibliothek einzurichten. Das wäre ein Traum! Doch die Größe und der architektonische Stil der freigewordenen Zimmer haben nicht mal den Anhauch an Flair und Gediegenheit für eine Bibliothek, wie man sie sich vorstellt. Da genügen nun mal auch die Bücherregale im Wohnzimmer.

Also stehen die beiden Zimmer nach wie vor leer, naja, nicht ganz. Sie sind vollgestopft mit Kinderzeug, Kleidern, Büchern, Spielzeug, Lieblingsteilen und T-Shirts aus Kindertagen und Schulsachen der großen, ausgeflogenen Kinder. Also vollgestopft mit dem Zeug, das sie in ihrer jeweils neuen Wohnung nicht brauchen. Wenn sie das nächste Mal kommen, werde ich ihnen auftragen, die Sachen mitzunehmen, wegzugeben oder, auf einige Schachteln reduziert, im Keller zu verstauen. Ich werde den beiden jeweils einen Memory-Kasten anbieten!                          

                                                                                               

Dann aber stehen die Zimmer wirklich leer! Wir brauchen sie nicht mehr!

Mein Liebster und ich verbringen unsere Zeit im Küchen/Wohn/Ess – Bereich, dann noch im Schlafzimmer und im Bad. Naja, der Vorraum wird auch noch benützt und das „Büro“, sprich der Arbeitsraum, neben dem Wohnbereich. Die restlichen Räume darben ihr betriebskostenreiches Dasein. Denn heizen und beleuchten müssen wir trotzdem. Und das Kellergeschoß? Ja, die Sauna benützen wir, doch die anderen 100m² vereinsamen zusehend. Putzen muss man aber trotzdem, denn der Staub ist unverschämt und stiehlt sich durch jede Ritze. Zu guter Letzt ist da noch der große, ausbaufähige Dachboden. Als wir das Haus bauten, dachten wir noch, eines der Kinder würde bei uns einziehen. So legten wir das Dachgeschoß großzügig an, mit allen Anschlüssen und mit dem Gedanken, im Alter nicht allein zu sein. Da ist leider nichts draus geworden.

 

Dachboden, Keller, Kinderzimmer, also fast zwei Drittel unseres Hauses werden kaum mehr genützt. Und im Garten samt Pool und Badehütte verbringen wir mehr Zeit beim Rasenmähen und bei der Gartenpflege, als beim lustvollen Genuss der lauen Sommernächte.

Sandkiste, Kinderpool, Schaukel und Klettergerüst gehören längst der Vergangenheit an und sind weiteren Blumenbeeten gewichen. So wird der Garten von Jahr zu Jahr gefühlsmäßig größer und arbeitsintensiver. Für meinen Liebsten und mich, und für die besagten Nächte wären ein großer Balkon oder eine Terrasse groß genug, selbst wenn wir die Kinder, Freunde oder Nachbarn einladen.

Wehmut erfüllt mich, und immer öfter stelle ich mir die Frage: Sollen wir diesen Status beibehalten?

Soll ich weiterhin, bis an mein Lebensende, traumwandlerisch durch meine Hallen schreiten und einer Ahnfrau gleich die Vergangenheit heraufbeschwören?

Nach langem Hin und Her, Für und Wider, Ja und Nein, entschließen wir uns, den Status quo zu verändern!

 

Wir werden uns „verkleinern“!!! Wir werden das Haus verkaufen!!!

Wir werden in eine Wohnung übersiedeln, die genügend Platz hat, aber nicht zu groß ist. Die zentral liegt, um für die täglichen Besorgungen und die Dinge des Alltags kein Auto zu benötigen. Die vorausschauend altersgerecht gebaut ist, mit Lift und Barrierefreiheit, weil wir ja nicht jünger werden. Die wohl ein Zimmer für den Nachwuchs zum etwaigen Übernachten bietet, aber welches in der übrigen „kinderfreien“ Zeit, multifunktional als Büro, Arbeitsraum, Herren-oder Damenzimmer, Rückzugsraum, … oder manchmal auch als „Stauraum“ dienen soll. Und die eine große Terrasse oder einen Balkon hat, mit selbstbewässernden Blumentrögen, um unsere florale Sehnsucht zu stillen und einem Minigrill für die Sommernächte.

 

Wir haben uns entschlossen! Wir ziehen es durch!

Unser Leben steht Kopf, wir diskutieren, überlegen, wägen ab, rechnen, haben Zweifel, sind einmal euphorisch, dann wieder melancholisch, bis hin zur Kurzzeitdepression. Wir kontaktieren diverse Immobilienbüros, machen Termine, verschieben sie wieder, sehen uns Wohnungen an, sind begeistert und gleich wieder abgeschreckt. Wir surfen zwischen „Will haben“ und „Welch Unsinn“. Und am schlimmsten ist der Gedanke:

 

Was werden die Kinder sagen??? Was werden die Leute sagen???   

Ich wusste gar nicht, wie sehr mir der Gedanke an die erwartete Missbilligung und die vermeintlich üble Nachrede, zusetzt. Ich, die ich mich als starke, selbstbewusste, zielstrebige, unabhängige, vom Geschwätz der Leute unantastbare Person einschätze, bekomme plötzlich kalte Füße und durchlebe schlaflose Nächte. Viele Bekannte, die wir zu Rate ziehen, meist stolze Hausbesitzer, können uns, wie erwartet, nicht verstehen, raten uns sogar ab. „Ihr werdet doch nicht auf Haus und Garten verzichten. Ihr habt euch so viel aufgebaut und so viel Geld investiert, das lasst ihr jetzt einfach sausen? Ihr seid doch an großzügige Räume gewöhnt. Wird euch der Garten nicht abgehen? Wo bringt ihr die Kinder und Enkelkinder unter, wenn sie euch besuchen? Vielleicht entschließt sich doch noch ein Kind zur Übernahme des Hauses … und …und… und… Was wollt ihr den Kindern vererben?

Letzteres Argument trifft mein Gewissen wie ein Blitz. Monatelang kreisen meine Gedanken um dieses Thema. Deshalb berufe ich nach langen Überlegungen eine Familienkonferenz ein. Mit klopfendem Herzen und Bauchschmerzen unterbreite ich den Kindern unser Vorhaben und spiele die von mir erwarteten Gegenargumente in Gedanken durch. Ich mache mich auf Schlimmes gefasst: „Seid ihr wahnsinnig! So egoistisch! Wie könnt ihr nur unser Elternhaus verkaufen! Ihr verkauft unser Erbe! Vielleicht wollen es ja die – noch nicht geborenen - Enkelkinder haben! Was würden die Großeltern dazu sagen? Sie würden sich im Grabe umdrehen? Doch nichts dergleichen kommt!!!

Pure Freude, Verständnis, ja sogar Erleichterung und das Kompliment, dass es toll ist, auch in unserem Alter mit etwas Neuem zu beginnen, strahlt uns aus leuchtenden Gesichtern entgegen. „Na, und das Erbe“, frage ich erstaunt? „Ach nein, wir wollen sowieso einmal eine eigene Wohnung oder ein, nach unseren Ideen gebautes Haus.“ Und nicht ganz uneigennützig folgt der Nachsatz: „Eine Wohnung könnt ihr auch im Alter noch leicht alleine managen. Das ist sicher einfacher für alle Beteiligten.“ „Findet ihr es nicht egoistisch von uns?“, setze ich ermutigt fort. „Wieso?“, folgt die prompte Antwort. „Ihr habt uns schon genug geboten. Studium, Auto, Reisen, uns hat es nie an etwas gemangelt. Jetzt sind wir selbständig und unabhängig. Und wieder nicht ganz uneigennützig folgt der weitere Nachsatz: „Ein wenig Bares in Reserve zu haben, ist ja auch nicht so schlecht!“

 

Somit steht es fest: Wir verkaufen, wir ziehen um!!! 

Alle Bedenken wegen der Kinder haben sich in Luft aufgelöst. Wir fühlen uns verstanden und selbst Freunde, Verwandte und Bekannte sind mittlerweile der Meinung, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, sich in der zweiten Lebenshälfte zu verkleinern, um sich das Leben leichter und unabhängiger zu gestalten. Sie schauen uns zwar noch immer ein wenig ungläubig an, aber in ihren Blicken kann ich lesen, dass sie uns wegen unserer Tatkraft und unserem Entschluss zum Neubeginn ein klein wenig beneiden!

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