Niemand ist eine Insel

Ganz egal, wo man ist: in der Nachbarschaft, in der Arbeit, auf der Straße, beim Einkaufen, in der Schule, im Internet – man begegnet überall dem Egoismus und der Respektlosigkeit. Das zeigt sich in Vorurteilen, schlechten Manieren, Aggressionen, Pöbeleien und der Unfähigkeit sich in andere Menschen hinein zu fühlen.

 

Können wir denn nicht mehr freundlich und mitfühlend zueinander sein? Befindet sich unsere Gesellschaft nur mehr auf dem Egotrip?

Und vor allem: Können wir diesem Trend entgegensteuern?

„Jetzt ist schon wieder jemand eingezogen!“, hörte ich sie flüstern. Ich drückte mich eng an die Wand meines Kellerabteils und spitzte die Ohren. „Er ist bereits das dritte Mal verheiratet und sie ist 12 Jahre jünger als er.“ Passiert öfter, aber nicht immer eilt den Zuziehenden schon ein Ruf voraus.

 

„Spannend“, denke ich und wage kaum zu atmen, als die beiden Tuschler ganz nah an mir vorbei gehen.“ Wir sind vor einigen Tagen in unsere neue Wohnung übersiedelt und gerade dabei uns einzurichten. Im Haus kennen wir noch niemanden, umso mehr bin ich überrascht, dass man uns anscheinend kennt. „Sie hat zwei Kinder und er drei, aber die sind schon erwachsen. Gottseidank, sonst wäre es mit der Ruhe vorbei!“ Mit diesem Statement verschwinden sie in der Waschküche.

 

 „Super“, denke ich, „jetzt sind wir noch nicht mal richtig angekommen und es gibt schon Tratsch!“ Ich bin beunruhigt, als ich leise den Keller verlasse. Wieder in der Wohnung, erzähle ich es meinem Liebsten. Der lacht darüber und meint: „Das ist normal, Menschen sind nun mal so. Mach dir keinen Kopf, sondern beweise ihnen, dass wir dem Vorurteil nicht entsprechen.“

Gerade im Bereich des Wohnens und Zusammenlebens in Siedlungen oder Mehrfamilienhäusern ist die gegenseitige Wertschätzung, die vorurteilsfreie Begegnung und die freundliche, respektvolle Kommunikation besonders wichtig.

 

Als ich mein Elternhaus verkaufte, lebte daneben eine ältere Dame, die mich mit Vehemenz daran erinnerte, das Haus ja nicht an „Ausländer“ zu veräußern. Man wüsste ja nie, wo die herkämen und wie sie sich aufführten. Sie hätte Angst vor dunklen Typen. Mittlerweile wurden in unserem „Grätzel“ einige alte Häuser verkauft – an Einwanderer. Die Dame lebt nun Haus an Haus mit einer türkischen und einer rumänischen Familie.

 

Vor einigen Wochen traf ich sie bei einer Geburtstagsfeier und sie erzählte mir begeistert, dass sie nun für einen Monat Urlaub bei der Familie ihrer neuen dunkelhaarigen Freundin Selma in der Türkei machen werde. „Selma, ihr Mann und ihre Kinder sind so nett, sie kümmern sich um mich… und das türkische Essen schmeckt hervorragend.“

Im Nebeneinander auf Balkons, Terrassen und Gärten begegnet man aber auch oftmals Menschen mit auffälligem Benehmen, die in Weinlaune sämtliche Regeln des guten Zusammenlebens vermissen lassen.

 

Am Wochenende feierten unsere jungen Nachbarn wieder einmal und wie immer ärgerte ich mich über die gestörte Nachtruhe. „Sagst du was oder ich?“ Mein Liebster beruhigte mich: „Wir waren doch auch mal jung und haben dasselbe getan, übe dich in Gelassenheit“, ist sein weiser Rat! Ich konnte es nicht lassen und keppelte über das Balkongeländer. Auf meine Bemerkung, ob man die Musik leiser drehen könnte, folgte ein überraschtes und belustigtes: „Chill` doch mal, ist ja nicht alle Tage!“ Ich war perplex über diese Aussage und zog mich zähneknirschend zurück. Was mich allerdings des nachts wütend machte, war bei Tageslicht wie weggewischt. Chillen ist ja ein Synonym für Gelassenheit: Wie recht mein Liebster und mein junger Nachbar doch hatten!

 

Unser ganzes Leben wird von „Nachbarschaft“ geprägt. Man hat immer irgendwo einen Nachbarn! Im Haus, in der Wohnung, in der Schule, in der Arbeit, im Bus, …. Nachbarn kommen einem sehr nah, sie sind dauernd da, sie machen Lärm, hören laute Musik, feiern Feste, sie grillen jedes Wochenende und beglücken uns mit ihren Essens- und Zigarettendüften, sie trennen den Müll nicht oder stellen die schmutzigen Schuhe vor die Wohnungstür.

 

Wie kann man sich damit arrangieren, ohne dabei Schaden zu erleiden? Wie kann man wieder in eine positive Beziehung zu den Mitmenschen gleiten, ohne sich dabei aufgeben zu müssen?

Trotz aller Voraussicht, Abwägung und Beratung kann man nie eine Garantie auf nachbarschaftlichen Frieden und ewiges Glück bekommen. Man hat es aber letztendlich selbst in der Hand eine gute, kraftvolle Gemeinschaft zu bilden oder aber stets unzufrieden und unglücklich zu bleiben.

 

Wir müssen viel öfter miteinander reden und uns auf Augenhöhe begegnen, egal welcher Herkunft, Religion, politischer Gesinnung oder Hautfarbe wir sind. Denn ein guter Dialog führt meist zu gegenseitigem Verständnis. Wir dürfen uns nicht in Grüppchen zurückziehen, auch wenn diese Sicherheit versprechen. Denn wenn wir nur Menschen mit gleicher Bildung, gleicher Meinung und ähnlicher Herkunft begegnen, passiert Ausgrenzung und Selbstüberschätzung. Dies führt zu oben genannter Respektlosigkeit anderen Menschen gegenüber. Respekt und Achtung sind aber die Grundpfeiler der Gesellschaft und jeder Beziehung.

Darum sollten wir uns beherrschen, kleine Unannehmlichkeiten hinnehmen, auf die Menschen zugehen, Gespräche anstreben und versuchen uns in Gelassenheit zu üben, denn:

 

 „Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird das Festland weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes.                              

John Donne (1572-1631), London

 

Man ist nie allein auf Erden und alle Menschen stehen zueinander in Beziehung. Wir sind soziale Wesen und brauchen die Resonanz zu anderen, auch in unserer Nachbarschaft!

 

 

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