Frischer Wein in neuen Schläuchen

„Nun beginnt der Herbst des Lebens!“ Seit meinem Sechziger verfolgt mich diese Aussage wohlmeinender Menschen, die mich wegen des Eintritts in das neue Lebensjahrzehnt warnen oder aber trösten möchten. Was bedeutet dies und warum berührt mich diese Aussage unangenehm? Warum soll mich der Spruch trösten? Ich bin ja nicht traurig wegen meines Alters. Ich muss mich einfach damit auseinandersetzen. Was ändert sich mit 60? Warum soll einem ausgerechnet ab diesem „Datum“ schlagartig die Endlichkeit des Lebens bewusst werden? Unsinn.

 

Ich verbinde mit der Jahreszeit „Herbst“ Eigenschaften, die mich gar nicht glücklich stimmen. Ich bin eher ein „Sommerkind“. Die Nächte werden länger, es wird kühler; Regen, Nebel, bis hin zum Nachtfrost. Die Sonne zieht sich hinter die Wolken zurück und blitzt nur mehr gelegentlich hervor. Die Natur zeigt nur noch kurz ihre Frucht- und Farbenfülle, bevor sie sich zur Ruhe begibt und in grau-braunen Tönen ihr Dasein fristet. Die Bäume verlieren ihr Blätterkleid, die Blumen ziehen sich zurück, Insekten sterben. Ich fahre in der Dunkelheit zur Arbeit und kehre oft im Dunkeln zurück.

Wenn ich die Eigenschaften des Herbstes auf uns Menschen übertrage, fällt es mir schwer, dem Herbst des Lebens Positives abzugewinnen: Kühl, grau, dunkel sind die bestimmenden Attribute und nur ab und zu erfolgt ein farbig warmes Aufblitzen. Alle Menschen in meinem Alter, mit denen ich jahrzehntelang den Alltag geteilt habe, sind mit mir in ihren „Herbst“ eingetreten; mein Hausarzt geht in Pension, meine Friseurin ebenfalls, in allen Geschäften und Ämtern sind neue Gesichter zu sehen, und der Generationswechsel greift um sich. Selbst unser Lieblingswirt hat kürzlich sein Geschäft an seinen Nachfolger übergeben. Ich muss mich umgewöhnen, mir neue Ansprechpartner suchen und ihnen Vertrauen schenken, ob ich will oder nicht!  

         

Natürlich gibt es zwischendurch noch einige sonnig warme, milde Tage, herrliche Früchte und bunte Farben, doch das ist mir im Angesicht des nahenden Winters zu wenig. Was kommt danach? Ich will nicht resignieren und vergangenen (Jahres-)Zeiten nachjammern. Ich will die positiven Seiten des Herbstes finden, in der Natur wie im Leben. Die Tatsache, beispielsweise, dass der Herbst auch Erntezeit ist und für den wunderbare Früchte bereithält, der sie anzunehmen und zu genießen versteht. So setze ich mich hin, lese einschlägige Literatur, spannende Artikel und denke nach, was für mich der Herbst des Lebens bedeutet, wie man dem Herbstblues entgeht und wie man für sich eine neue Farbigkeit entdecken kann.

 

Neuorientierung statt Rückzug
Neuorientierung bedeutet oft das Loslassen von Gewohnheiten, das Raussteigen aus vermeintlichen Komfortzonen, das Vornehmen von Kurskorrekturen und Mut zur Veränderung: Michael Altenhofer, österreichischer Motivationstrainer und Coach, nennt dies das ein „Navigieren im offenen Leben“!

Mein Liebster und ich haben in unserem früheren Leben schon einige gravierende Kurskorrekturen vorgenommen oder waren durch widrige Umstände gezwungen, dies zu tun. Ist man jung, fällt die Neuorientierung leichter, ist man älter, gehören Mut und eine große Portion Vertrauen dazu.

Als wir uns vor circa zehn Jahren kennenlernten und beschlossen, beisammen zu bleiben, zog mein Liebster zu mir und wir lebten einige Jahre in meinem alten Haus. Doch so sehr wir uns auch bemühten: Dieses Haus konnte seine Vorgeschichte nicht abschütteln, und der Hauch der Vergangenheit lebte darin - in der Geschichte „Der Schattenpartner“ habe ich versucht, dieses Phänomen aufzuarbeiten.

 

Daher entschlossen wir uns, das Haus zu verkaufen und in eine gemeinsame neue Wohnung zu ziehen. Seit zwei Jahren leben wir nun darin und haben den Entschluss nicht bereut. Es war der erste und zugleich größte Schritt zur Neuorientierung, der uns aber in weiterer Folge ungeahnte Möglichkeiten bot. In kleinen, aber konstanten Schritten ging es weiter. Für meinen Liebsten, eigentlich längst in Pension, ergab sich die Möglichkeit zu einer erfüllenden Nebenbeschäftigung und ich selbst habe den Mut gefasst, meiner Leidenschaft, dem Geschichtenschreiben endlich nachzugehen. Frei von Haus und Hof, verkleinert, aber nicht verschlechtert, ein Kleiderkasten statt eines Schrankraums, ein Kellerabteil statt eines Kellergeschoßes, weniger Besitz und Güter, dafür höhere (Lebens-)Qualität.                                      

 

Verändern bewegt

Ganz egal, ob die Lebensumstände es erfordern oder ob man trotz guter Partnerbeziehung und wohlverdienter Pension nicht ganz glücklich und zufrieden ist und ängstlich dem Herbst des Lebens entgegenschaut.

Ganz egal, ob es manchmal zwickt und zwackt, weil der Körper dem Alter seinen Tribut zollt. Ganz egal, ob andere fragen, warum man sich eine Veränderung noch „antut“ – sie macht frei, bringt Zufriedenheit, Lebensqualität und letztendlich auch Erfolg!

Der Begriff „Herbst des Lebens“ hat seither für mich keinen negativen Beigeschmack mehr. Da kann es regnen, stürmen, neblig und finster sein. Ich setze die Segel und mache eine kleine Kurskorrektur, die mich wieder in ruhigeres, neues Gewässer führt oder mich sogar einen Hafen anlaufen lässt, der mir vorab unbekannt war.

Seid mutig, beginnt heute! Leinen los!

 

 

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