Einmal Südsee und Zurück

Maria steht an der Reling und lässt den warmen Wind durch ihr Haar gleiten. Einen Sundowner in der rechten und ein Buch in der linken Hand. Ihr dünner Rock flattert angenehm um ihren Körper. Südsee!!! Fidschi!!!

 

Diese Schiffsreise war schon immer ein Traum gewesen. Sie hatten ihn schon gemeinsam geträumt, doch es ergab sich nie. Immer kam etwas dazwischen. Zuerst hatten sie kein Geld, dann kamen die Kinder, dann bauten sie ihr Haus, danach ließ es der Beruf nicht zu, und als sie selber schon gegen 60 waren, mussten sie ihre alten Eltern betreuen und konnten erst recht nicht länger Urlaub machen.

 

Letztes Jahr ist ihr Mann verstorben. Ganz plötzlich hat er sich aus dem Staub gemacht, um zu Staub zu werden. Einfach so, ohne Vorwarnung; sein Herz versagte! Neben der tiefen Trauer war da noch eine Wut versteckt, die in ihr nagte: Wieso hat es ausgerechnet sie getroffen? Es waren noch nicht alle Wünsche erfüllt, noch nicht alle Pläne umgesetzt. Es war noch nicht ausgelebt, ihr beider Leben!

Maria blieb alleine zurück, vorerst geschockt und unfähig, Entscheidungen zu treffen. Sie haderte mit ihrem Schicksal und auch ihre beiden erwachsenen Kinder konnten sie nicht trösten. Ja, auch sie zogen sich zurück, da die Mutter in ihrer zutiefst depressiven Phase das schlechte Gewissen in den Kindern weckte. Beide hatten Familie und konnten ihre Mutter nicht ständig mental unterstützen, ohne dabei selbst Schaden zu erleiden.

 

Es war wie ein Wink des Schicksals, als sie zu Jahresbeginn die Kolumne einer evangelischen Pfarrerin in der Wochenendbeilage einer Tageszeitung las. Diese sprach von der „Schwelle“, die seit Urzeiten etwas Besonderes sei. Schwellen im Haus, über die der Bräutigam seine Braut trägt, Schwellen der Angst, die überwunden werden müssen, Schwellen der Hoffnung, die wie Glocken das neue Jahr einläuten. Über eine Schwelle zu treten, bedeutet, in eine neue Welt zu gehen, die entweder zukunftsvoll oder gefährlich sein kann, so die Pfarrerin.

Sie schnitt den Artikel aus der Zeitung und verwahrte ihn in ihrem Nachtkästchen. Immer wieder las sie ihn und verinnerlichte seinen Inhalt.

Maria stand an so einer Schwelle und sie allein konnte bestimmen, in welche Richtung sie geht. Drübersteigen und einen Neubeginn wagen oder Rückzug und im Alten verharren. Viele Monate vergingen, aber langsam klärten sich ihre Gedanken. Dass die Zeit alle Wunden heilt, klingt nach einem solchen Schicksalsschlag wie Häme, doch im Lauf des folgenden Jahres gelang es ihr, aus der Opferrolle zu schlüpfen und ihre negativen Gedanken gegen Zuversicht auszutauschen. Zuversicht als Synonym für die Erwartung des Zukünftigen in Richtung einer positiven Hoffnung.

 

Die Kinder konnten es kaum fassen, dass ihre Mutter wieder Zukunftspläne schmiedete, dass kein Seufzer mehr das Telefongespräch eröffnete, dass ihre Stimme wieder kraftvoll klang. Sie konnten es kaum fassen, dass sich ihre Mutter wieder neue Kleider kaufte, sich um ihr Aussehen bemühte und Kontakte zu Freunden aufleben ließ. Sie konnten es kaum fassen, dass ihre Mutter wieder langsam zu der Frau wurde, die sie ein Leben lang begleitet hatte. Mit der mentalen Veränderung Marias, ging auch die Verbesserung ihrer Beziehung einher. Und so sehr der Verlust ihres Vaters die Kinder auch immer noch schmerzte, so glücklich waren sie über die Schwelle, die ihre Mutter im Begriffe war zu übertreten. Die Schwelle ins neue Leben!

 

Zuerst musste Maria das Loslassen lernen, die Angst vor der Zukunft überwinden und ihr Selbstbewusstsein stärken. Sie begann mit einem Finanz- und einem Gesundheitscheck. Finanziell war sie ausreichend versorgt, bezog eine eigene Pension, da sie ihr Leben lang berufstätig gewesen war, und erfreute sich laut ihrem Arzt bester Gesundheit. Danach verkaufte sie in Absprache mit den Kindern das Haus und übersiedelte in eine kleinere, aber komfortable Wohnung. Diese wurde neu eingerichtet und nur einige Erinnerungsstücke kamen mit. Sie schrieb sich in einen Yoga-Kurs ein und besuchte einen Italienisch -Lehrgang, was sie schon immer vorgehabt hatte, und für den sie früher nie Zeit fand. Langsam begann sie auch wieder kleinere Reisen mit einer Freundin zu unternehmen. Ihr Lebensmut und ihre Begeisterungsfähigkeit kamen zurück. Täglich hielt sie geistige Zwiesprache mit ihrem verstorbenen Mann, doch sie fühlte sein Wohlwollen und seine Erleichterung über ihre Entwicklung, sodass die Tränen langsam versiegten und sie sich beschützt und sicher fühlte. Er würde immer in ihrem Herzen wohnen, aber von nun an ließ sie auch das Leben wieder zu!

 

Das Schiff steuert auf eine kleine Insel des Fidschi-Archipels zu.
Die Reisegesellschaft wird in Beibooten ausgeschifft und vom Dorfvorsteher der Insulaner mit einem Kava - Ritual empfangen. In bunten Kleidern bieten lachende, wohlgenährte Frauen ihren selbstangefertigten Schmuck an, Kinder laufen herum und singen Lieder für die Gäste, in den mit Palmblättern abgedeckten Erdöfen gart das Essen und verbreitet seinen herrlichen Duft. Die Menschen sind gastfreundlich, humorvoll, und obwohl ihr Lebensstandard ein Vielfaches niedriger ist als bei uns im „Goldenen Westen“, obwohl sie in einfachen Holzhäusern leben, obwohl nur ganz wenige Bewohner der 332 Inseln umfassenden Republik Fidschi aus finanziellen Gründen jemals über die Grenzen der Inselwelt hinausschnuppern können, leben sie ein gelassenes, zufriedenes Leben.

 

Maria fühlt sich an der Schwelle zum Paradies.

Aber nicht zum himmlischen, nein, zum irdischen. Sie nimmt alle Eindrücke bis in ihr Innerstes auf und es gelingt ihr, das Glücksgefühl nach Hause mitzunehmen.  Sie lebt nun ihr Leben weiter, sie setzt die unfertigen Pläne um, sie erfüllt sich noch offene Wünsche, sie lebt ihr Leben fertig.

 

 

Wenn sie nun in lauen Sommernächten auf der Terrasse ihrer gemütlichen Wohnung sitzt, einen Sundowner in der linken und ein Buch in der rechten Hand, fühlt sie sich mitten im Leben und doch im Paradies.

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