Die speisekarte des lebens

Im Herbst gibt es immer wieder die „Haubenvergabe“ an diverse Spitzenlokale: Aufsteiger werden hochgejubelt, Absteiger verdonnert, Neuzugänge gekürt. Auch im eigenen Leben erfolgt die Kategorisierung oftmals nach Hauben und Sternen. Wir werden nicht müde zu kritisieren, zu werten und uns in unserem Drang perfekt zu sein, starkem Druck auszusetzen.

 

Man kennt perfekt wirkende Männer, die sich nur über ihren Job, ihr Haus und das Auto definieren, dafür bis zum Burnout arbeiten und für die eine Welt zusammenbricht, wenn eine der Komponenten wegbricht.

Man hört vom Perfektionsdrang der Frauen: in jedem Alter eine tolle Figur, immer beste Laune, eine Bilderbuchfamilie, top im Job. Man hört vom Anspruch junger Frauen auf die perfekte Hochzeit – bis zum letzten Tischkärtchen - und von Seniorinnen, die mehr Zeit im Fitnessstudio verbringen als mit ihren Enkelkindern.

 

Ist das notwendig und wollen wir das eigentlich wirklich? Wenn schon alles perfekt ist, fehlt uns doch die Zukunftsperspektive!

Muss ein Haus immer wie aus dem Ei gepellt dastehen?

Muss ein Garten den Ansprüchen der internationalen Gartenschau entsprechen?

Muss man in einer Wohnung vom Fußboden essen können?

Sogar die „Ars Electronica“ in Linz widmet sich 2019 dem Thema „Error. The Art of Imperfection“ – die Kunst des Nichtfertigen und des Fehlermachens.

 

Der Opa einer Freundin, heute bald 90 und verwitwet, verglich sein Haus früher immer mit einem dreigängigen Festmenü. Die breite Auffahrt und der großzügige Eingangsbereich waren der erste Gang und zugleich das Entree. Den Hauptgang und sozusagen das „Gustostückerl“ bildete das  villenähnliche Haus. Den überaus gepflegten Garten bezeichnete er als köstliche Beilage. Der große Pool und die Außensauna krönten das kulinarische Konvolut als Dessert. Er war unglaublich stolz auf seine Wohlfühloase und hatte viele Jahre seine Freude daran. Als die Kinder auszogen, seine Frau verstarb und er sich auch schon im fortgeschrittenen Alter befand, bedeutete die Pflege des Anwesens allerdings zusehend harte Arbeit und mühevolle Plage. Doch anstatt auf „Hausmannskost“ umzusteigen, sich zu verkleinern und Hilfe zu holen, buddelte er tagtäglich im Garten, pflanzte, putzte, malte, renovierte und versuchte, den an sich selbst gerichteten Perfektionsansprüchen gerecht zu werden. Letztendlich spielte seine körperliche Kraft nicht mehr mit und er musste schweren Herzens das Haus verkaufen und in eine seniorengerechte Wohnung ziehen. Seine Kinder hatten sich schon ein eigenes Zuhause geschaffen und nun erfreut sich eine ganz fremde Familie an der gepflegten Liegenschaft. Traurig spaziert er gelegentlich an seinem alten Haus vorbei und erkennt wehmütig, dass seinem Gustostückerl nach und nach die Hauben und Sterne abhandenkommen, da die neuen Hausbesitzer andere Wertvorstellungen bezüglich ihres Wohngeschmacks und der zur Pflege aufzuwendenden Zeit haben.

 

Ein zweites Beispiel war der „Putzfimmel“ einer Bekannten, die ihre Wohnung   als Sahnehäubchen auf der Torte ihres Lebens bezeichnete. Tägliches Staubsaugen, Abstauben und Aufwischen gehörten zum Alltag. Die Bettwäsche wurde zweimal pro Woche, die Handtücher täglich gewechselt. Als ich vor Jahren das erste Mal zu Besuch kam, betrat ich eine sterile Wohnung, die dem Ausstellungsraum eines Möbelhauses glich. Kein Stäubchen, keine Schlieren, keine Fingerabdrücke, kein verrutschtes Deckchen und kein verwelktes Blatt an den Zimmerpflanzen. Ich getraute mich nicht mal die Toilette zu benutzen und wechselte vom Wohnzimmer auf den Balkon sogar die zuvor bereitgestellten „Innen – und Außenschlapfen“. Trotzdem empfing sie mich bei Besuchen immer wieder mit der bekannten Aussage: „Zusammenräumen darfst du mir aber nicht!“ Es war mühsam und unverständlich für mich. Doch dann änderte sich mit einem Schlag alles. Meine Bekannte bekam ein Enkelkind und dieses nahm ihr den Druck zur Perfektion. Sie konnte vor sich und ihrer klinisch sauberen Welt die gelegentliche Unordnung und die Tropfen auf Tisch und Boden rechtfertigen. Ach Gott, wie gerne besuche ich sie seit ihrer Veränderung!

 

Die hohen Ansprüche an sich selbst werden von Gesellschaft und Werbung zudem weiter angefeuert. Oft flüstern uns die inneren Antreiber ein, dass man etwas leisten muss, etwas kaufen muss, um dazuzugehören. Letztendlich sogar um geliebt zu werden.

Daher geht es vorrangig darum, Prioritäten zu setzen und für sich selbst eine Wertehierarchie zu schaffen. Ich entscheide, wofür es sich lohnt, sich ins Zeugs zu legen – und was im Moment oder überhaupt unwichtig ist.

Ob Gourmetmenü oder Hausmannskost, bzw. Villa oder Wohnung, es muss uns ganz persönlich schmecken und wir müssen niemanden etwas beweisen.

Und wenn der Opa meiner Freundin nun bei seiner geliebten Rahmsuppe in seiner kleinen Küche sitzt und sie genüsslich löffelt und meine Bekannte mit der Enkelin Teig knetet, dass es überall klebt, haben beide die Kunst des Unperfekten gelernt.

 

Denn, unser Leben ist nicht perfekt und soll es auch nicht sein.  Genau darin liegt sein Charme und seine Kostbarkeit.

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