Die Macht der gewohnheit

So sehr ich Veränderungen im eigenen Leben zulasse und auch forciere, so sehr kritisiere ich die ungebremste Beschleunigung, die Steigerung des Lebenstempos, die Flexibilität um jeden Preis, die zur Entfremdung und zur Unfähigkeit führen, sich mit Menschen und Orten in Beziehung zu setzen. Ganz besonders irritieren mich Veränderungen, die nicht in Resonanz mit der Umwelt stehen.

 

Vor Kurzem gingen berührende Fotos durch die Presse; eine Schildkröte legte ihre Eier auf der Landebahn einer neu erbauten Flugpiste auf den Malediven ab. Dort, wo ehemals ein unberührter Sandstrand war, der den Tieren Raum und Heimat bot, donnern nun Jets in allen Größen darüber. In ihrer ureigensten Art, das Gelege dort zu platzieren wo sie selbst geboren war, folgte die Schildkröte jedoch unbeirrt der Natur und ihrem Instinkt.                                            

Auf dem Flughafen in Melbourne entdeckte man eine Eule im Triebwerk einer Boeing 737 und ein riesiger Bienenschwarm besetzte die Tragflächen eines Airbus 320 auf einer Landebahn der Insel Sumatra. Sie alle wurden von Baumfällarbeiten im Umfeld der Flughäfen vertrieben.

Ich habe ein schlechtes Gewissen und bin zu Tränen gerührt. Wie weit soll der Fortschritt gehen? Wie weit der Bauboom? Wie schnell und intensiv wollen wir leben?  Wieviel Veränderung tut gut? Ist Gewohnheit altmodisch?

Bei unserem alljährlichen Urlaub im geliebten Grado nahe Triest, steuerten wir am ersten Abend zielstrebig die Osteria an, die für unseren Geschmack die besten Fischgerichte anbot. Jahrelang genossen wir die Köstlichkeiten und freuten uns auf das delikate Abendessen. Wir bogen in die Gasse und standen verwundert vor - einem Burgerladen. Auf unsere Nachfrage hin erfuhren wir, dass die Wirtsleute keinen Nachfolger hatten und deshalb das Geschäft verpachteten. Ist ja in Ordnung, aber warum ausgerechnet Burger?! Wir waren enttäuscht und suchten ein anderes Lokal. Obwohl wir fündig wurden und einen schönen Abend mit perfektem Essen verbrachten, blieb ein Hauch von Wehmut zurück.

Um Veränderungen zu bemerken, die unsere Gewohnheiten durchbrechen, muss man aber nicht weit wegfahren.

Auch im Heimatort mutierte die gute alte Weinstube zur griechisch- italienischen Pizzeria, das Schuhgeschäft zum Eissalon, der Festsaal eines gutbürgerlichen Gasthauses zum Fitnessstudio und am Würstlstand gibts Kebab! Nicht zu vergessen sei das Nagel- und Tattoostudio in der ehemaligen Tischlerei, das Wettbüro im alten Lagerhaus, der Handyshop in der Bierstube und der Blumenladen im Kaffeehaus.

Man fände noch viele Beispiele von Veränderung und Neuorientierung und ich bin wohl oder übel bereit mich damit auseinanderzusetzen. Denn wie die Schildkröte folge auch ich oftmals meinem inneren Navigator und muss am vermeintlichen Ziel erkennen, dass mich die Zukunft schon eingeholt hat.

 

Ein gutes Leben braucht aber auch Gewohnheiten!

Sie sind nicht altmodisch! Wir reden sogar von unseren „lieben“ Gewohnheiten. Und sie sind besser als ihr Ruf. Das liegt vielleicht daran, dass in Gewohnheit das Wort „Wohnen“ steckt, mein Synonym für „Daheim sein“! Gewohnheiten entsprechen uns Menschen, denn unsere Psyche bevorzugt Vertrautes. Sie sparen Energie und geben unserem Leben Struktur und Sicherheit, sagte schon Sigmund Freud.

Kontrollierte Veränderungen wiederum beleben uns; eine neue Wohnung, ein neuer Job, eine interessante Reise; im Alltag aber entwickeln wir Rituale, die wir gerne ständig wiederholen. Denken sie an ihr Stammlokal, den Hausarzt, den Lieblingsfriseur, die Trafik ums Eck und den Fleischhauer des Vertrauens? Wie schwer fällt uns die Neuorientierung, wenn der eine oder andere zusperrt oder in Pension geht.

Doch das ist der natürliche Lauf der Zeit! Den akzeptiere ich gerne, da auch ich selbst diesen Veränderungen unterliege. Was ich nicht akzeptiere, sind die unkontrollierten Ausgeburten des sogenannten Fortschritts.

Die Technik hilft uns dabei, in Kommunikation, Produktion und Transport Zeit einzusparen. Wir spüren aber gleichzeitig eine Zeitverknappung und Zeitnot im persönlichen Bereich. Wir arbeiten immer mehr, um gut zu verdienen, es besser zu haben, mehr konsumieren zu können und setzen damit Menschen, Waren und Kapitalströme in Bewegung. Diese nehmen ununterbrochen zu.  Obwohl wir uns umweltbewusst wähnen, hat dies kaum Auswirkungen auf unser Handeln. Wir bauen immer mehr Autos und die Anzahl an Flugreisen steigt exponentiell.

Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena spricht vom Resonanzprinzip:

Resonanz bedeutet Widerhall. Auf den Menschen bezogen zeigt sie die Reaktion auf eine Handlung, eine Äußerung oder auch auf einen Zuspruch und eine Übereinstimmung. In der Physik und Musik spricht man von Schwingungen.

Wenn Menschen zueinander in Resonanz stehen, dann verstehen sie sich. Wenn wir zu Natur und Umwelt in Resonanz stehen, dann schwingen wir miteinander.

Wo ziehen wir die Grenze zwischen Fortschritt und Gewohnheit? Brauchen wir überhaupt eine Grenze?

 

Ich denke, sie bilden keinen Gegensatz!

Wir brauchen nur einen anderen Weg. Wir brauchen Achtsamkeit, um das Gewohnte immer wieder erleben und schätzen zu können und Mut, den Fortschritt in seiner wohltuenden, hilfreichen Art anzunehmen. Außerdem müssen wir unsere Verbindung zur Natur ändern. Sie ist nicht einfach nur eine Ressource, sie ist ein notwendiges Gegenüber. Ohne sie werden wir nicht auskommen.

Ich plädiere daher für eine bewusste, sanfte, achtsame Veränderung in der Ortsplanung, in der Vergabe und Neuorientierung von Immobilien und Grundstücken, eine sorgsame Abwägung der Notwendigkeiten und eine Rundum- Einbeziehung der Natur.

Für die Schildkröten auf den Malediven ist es schon zu spät, wir aber haben noch die Wahl!

 

 

 

 

 

 

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