Der schattenpartner

Wenn eine Partnerschaft zu Ende gegangen oder ein geliebter Mensch gestorben ist, steht man vor den emotionalen Trümmern seines Heimes. Man fragt sich: Soll ich noch weiterhin hier wohnen? Oder sollte ich mir eine andere Wohnmöglichkeit suchen, um nicht ständig an den Menschen aus meinem früheren Leben erinnert zu werden? Verändert man nichts, lässt man alles beim Alten, räumt man gemeinsame Erinnerungen und persönliche Dinge der alten Beziehung nicht weg, so ist bei einer neuen Liebe der Konflikt zwischen Alt und Neu vorprogrammiert.

 

Die meisten Menschen bleiben nach einer Scheidung, einer Trennung oder einem Todesfall vorerst in der vertrauten Wohnung und Umgebung, da in der Zeit der psychischen Verarbeitung die Nerven blank liegen und man keine Kraft zur Veränderung hat. Oftmals kann (oder will) man nicht loslassen und zieht deshalb bewusst den Schmerz und die ständige Erinnerung vor. Dann werden die alten Wohnungen kaum verändert, die persönlichen Dinge nicht weggegeben, die Fotos nicht abgehängt, die Geschenke und Bilder demonstrativ belassen. Man sieht sie täglich und leidet aus Liebe oder Pietätsgründen, wegen der Kinder, wegen der Verwandtschaft oder aus welchen Gründen auch immer.                                                                                                                                                  

Nach einiger Zeit kann man aber wieder einen Partner finden, sich neu verlieben und gemeinsam leben, lieben und wohnen wollen. Da braucht es viel Geschick, Gespräche und Empathie, damit in der alten Umgebung eine neue Beziehung gut gedeihen kann!

Irene und Rudi haben einander gefunden. Beide sind Mitte 60, Irene geschieden und Rudi ist Witwer. Nach einigen Jahren des Alleinseins verspüren sie wieder dieses Prickeln im Bauch, dieses Glücksgefühl des Verliebtseins. Nie hätten sie gedacht, dass es noch einmal passieren könnte, aber es geschah.

 

Schon nach einigen Wochen beschließen sie zusammenzuziehen, und da Rudi ein schönes Haus besitzt, vermietet Irene ihre Wohnung und zieht zu ihm. Gleich von Anfang an erkennt sie an vielen kleinen Signalen, dass in diesem Haus noch der Hauch der Vergangenheit wohnt. Die Wand ist mit Familienfotos geschmückt, die an frühere und „glückliche Zeiten“ erinnern: Im Schlafzimmerschrank hängen Frauenkleider „von gestern“, ein Damenschirm lehnt in der Diele, ein Badeanzug in der Badehütte, ein eingetrockneter Nagellack im Spiegelschrank.

 

 

Rudi ist an dieses Ambiente seines Hauses gewöhnt und fühlt sich wohl zwischen dem Gestern und Heute, doch Irene geht es zusehend schlechter. Sie fühlt sich nicht daheim. Sie fühlt sich ausgeschlossen, als ein Drittes Rad am Wagen einer früheren Beziehung. Sie muss sich ernsthaft etwas überlegen!

 

Doch nicht nur der älteren Generation fallen das Loslassen und die Veränderungen oft schwer. Auch junge Leute haben damit ihre Probleme.

 

Clemens, Anfang 30 und der Sohn meiner Freundin, hat nach der Trennung von seiner Partnerin in Sandra eine neue Liebe gefunden und ist kurzerhand zu ihr in ihre Wohnung gezogen. Auch Sandra hatte sich zuvor von ihrem Partner getrennt. Kinder haben sie beide nicht, doch Sandra teilt das “Sorgerecht“ für ihren Hund mit dem Verflossenen. Für Clemens ist es anfangs kein Problem, er findet den kleinen, tierischen Mitbewohner sogar entzückend und er geht gerne mit ihm Gassi. Doch die ständigen Hundeübergabetermine und die damit verbundenen Kontakte Sandras mit ihrem früheren Freund nerven Clemens schon nach einigen Wochen; auch dass noch dessen alte Sportschuhe im Schuhkasten stehen, eindeutig maskuline T-Shirts urplötzlich auftauchen und der doofe Gummibaum nicht abgeholt wird, verdüstern die Stimmung. Für Sandra ist das „normal“, sie denkt, gut damit umgehen zu können, doch für Clemens wird es mehr und mehr zur Belastung. Auch er fühlt sich – wie Irene – ausgeschlossen und nicht daheim. Er muss sich ernsthaft etwas überlegen!

 

Irene und auch Clemens entschließen sich für das Gespräch.
Sie erklären ihren Partnern, warum sie sich nicht wohlfühlen, wie sehr die ständige Präsenz der Vergangenheit auf ihr Gemüt drückt und wie sie ihr gemeinsames Leben negativ beeinflusst. Sie erklären ihre Wünsche nach Räumung und Bereinigung, um eine gute Basis für ihre Liebe zu finden.

Rudi – pragmatisch und ob seines Alters auch der Wichtigkeit seiner neuen Beziehung bewusst – macht einen glatten Schnitt. Er verkauft sein Haus und bezieht mit Irene eine hübsche neue Wohnung in einer Nachbargemeinde. Weg vom Alten und doch nicht so weit weg, als dass man Freunde und Umgebung verlassen müsste. Irene ist glücklich und weiß den Liebesbeweis zu schätzen. Sie führen fortan ein zufriedenes Leben ohne Schatten der Vergangenheit. Irene ist endlich daheim!

 

Sandra überlässt den kleinen Hund schweren Herzens ihrem Verflossenen, aber im Hinblick auf die neue Liebe ist dies die einzige Alternative. Während Clemens ein Wochenendseminar besucht, räumt sie alle verbliebenen Sachen ihres Ex in einen Karton und stellt diesen samt Gummibaum vor dessen Tür. Sie stellt die Möbel um, kauft ein neues Bett und als Clemens zurückkehrt, fühlt er schon im Flur die Veränderung. Clemens ist endlich daheim!

 

Es ist ein Zeichen von großer Reife, von Beziehungsqualität und funktionierender Kommunikation, wenn man mit dem Partner diese Dinge besprechen kann. Ein Stillsein und Aussitzen derart schwerwiegender Beziehungsfallen führen niemals zum gewünschten positiven Ergebnis. Oft steht eine Trennung im Raum, und das ist traurig. Findet man aber die richtigen Worte möglichst früh, kann jeder seine Wünsche und Beschwerden äußern. Man muss die Vergangenheit nicht vergessen, sie hat uns geformt und hat ihre Berechtigung, doch man muss auch die Gegenwart und Zukunft zulassen.

Denn: Ein Gespräch am Anfang einer Liebe kann niemals so unangenehm sein wie eines am Ende einer Liebe!

 

 

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