Der neue Frühling

Die Situation und das Befinden älterer Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert: Ein „zweiter Aufbruch“ ist keine Seltenheit mehr. Man fühlt sich nicht mehr im Herbst des Lebens und am Ende der Schaffenskraft, sondern am Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Man kann Versäumtes oder Nichterreichtes nachholen, sich seine offenen Wünsche und Träume erfüllen und mit der Erfahrung und Gelassenheit der Jahre die positiven Entwicklungschancen des Alterns bewusst in den Vordergrund stellen.

 

Im letzten Jahr bin ich 60 geworden und mein Mann 72. Vor 30 Jahren hätte ich mir nicht gedacht, dass ich diesem Alter eine positive Seite abgewinnen könnte. An meine Großmutter kann ich mich nur mehr als eine uralte Frau mit Kopftuch erinnern, die altmodisch gekleidet in ihrer bescheidenen Wohnung lebte und deren einzige Abwechslung der tägliche Kirchgang war. Sie hatte beide Weltkriege erlebt, ihr Mann war gefallen, und sie musste vier Kinder alleine großziehen. Ihr Leben zeichnete tiefe Furchen in ihr Gesicht, und ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass sie jemals jung war.

 

Bei meiner Mutter war es schon besser, doch als sie 60 wurde, sah ich sie ebenfalls als ältere, geschlechtslose Frau, obwohl sie trotz des sehr frühen Todes meines Vaters lebensbejahend und durchaus selbständig war. Sie meisterte ihr Leben, ging mit einer Freundin auf Reisen und war flott, gesellschaftlich aktiv und immer modisch gekleidet. Heute schätze ich ihre Eigenschaften und das, was sie mir vorgelebt hat, doch damals zählten in meiner Vorstellung alle über 50 zum alten Eisen.                                                                       Allerdings haben sich die Zeiten heutzutage stark verändert.

Die Medizin schraubt unsere Lebenserwartung in die Höhe und verhilft uns zu einem besseren Befinden. Auch mit chronischen Krankheiten und Beschwerden, die das Alter so mit sich bringt und die früher oftmals ein Todesurteil waren, kann man heute gut, zufrieden und gemütlich leben. Gemütlichkeit macht Mut und bringt unserem Leben einen nicht zu unterschätzenden Zugewinn.
                                                                   

Auch der digitale Fortschritt sollte nicht immer nur verdonnert werden. Er verbessert die Kommunikationsmöglichkeiten: War früher der Festnetzanschluss im Vorraum im Notfall nur mühsam erreichbar, hat heute schon fast jeder ältere Mensch ein Handy, meist mit Notfalltaste. Gerade hat sich mein 92-jähriger Schwiegervater so ein Seniorenhandy zugelegt und er ist ganz begeistert. Seither ruft er viel öfter an als früher und äußerte zuletzt sogar den Wunsch, ich solle ihm doch „WhatsApp“ installieren, damit er auch Fotos von den Enkelkindern bekäme.  

                                                                                                                  

Auch der Ausbau an seniorengerechten Wohnungen und betreutem Wohnen hat zugenommen. Er lässt es zu, auch im hohen Alter noch weitgehend selbständig zu wohnen und zu leben. Falls man dennoch Hilfe braucht, wendet man sich an eine der vielen Betreuungseinrichtungen, nimmt die     24-Stunden Pflege oder die mobile Hauskrankenpflege in Anspruch und kann weiter in seinen eigenen vier Wänden leben.

 

Auch die Erhöhung des Pensionsantrittsalters sehe ich in vielen Fällen positiv. Von der Erfahrung und dem Fachwissen älterer Arbeitnehmer können viele Firmen profitieren. Ein paar Jährchen länger im Berufsleben, falls dies möglich ist, oder ein kleiner Zusatzjob zur Pension halten aktiv und die grauen Zellen in Schwung. Wenn man bedenkt, dass meine Mutter, als sie mit 90 Jahren verstarb, bereits 30 Jahre in Pension war, kann man sich vorstellen, dass sich vieles beim Alt-Werden und Alt-Sein verändert hat und weiter verändern muss.

 

Heutzutage Pensionist zu sein muss nicht bedeuten, am Abstellgleis zu stehen, ins Ausgedinge gedrängt zu werden und sich nicht mehr „vollwertig“ zu fühlen.

Wenn man nicht gesundheitlich zu sehr beeinträchtigt ist, kann man das Leben im Ruhestand durchaus als Phase des zweiten Aufbruchs und als Neustart sehen. Man steht nicht am Ende des Schaffens, sondern erst kurz nach der Mitte des Lebens! Die Kinder sind aus dem Haus, die Schulden sind abbezahlt, der tägliche Berufsstress ist Schnee von gestern – was kann es Schöneres geben?!

 

Man sollte nur neugierig, aktiv, tolerant, weltoffen und lernbereit bleiben, den Anforderungen des Lebens mit Gelassenheit entgegentreten, den Neuerungen ihren Platz gewähren und der Jugend ihre Torheiten zugestehen – hat man die denn früher nicht auch selber gemacht? Man sollte kein Besserwisser sein, aber mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es notwendig oder gewünscht ist. Das Verhältnis Jung und Alt sollte keine Einbahnstraße sein, die gesunde Mischung bringt Vorteile für beide Seiten.

 

Dies ist zum Beispiel in unserer neuen Wohnanlage der Fall, in die wir letzten Sommer nach dem Verkauf unseres Hauses gezogen sind. Man hilft sich gegenseitig und nützt die Ressourcen der Bewohner. Ob man dann Pflanzen während des Urlaubes versorgt, Pakete annimmt, für einen Erkrankten einkauft, kleine Reparaturen durchführt oder aber nur gelegentlich in einem Gespräch im Vorhaus seelischen Beistand gewährt, sei jedem selbst überlassen. Es kommt aber immer etwas zurück, und wenn es im Moment manchmal auch nur ein dankbares Lächeln ist.

 

 

Mein Liebster und ich haben den Entschluss, uns zu verändern und neu durchzustarten, bis heute nicht bereut. Wir genießen unser Leben in unserer neuen, kleineren, bequemen, zentrumsnahen, barrierefreien Wohnung und sind dabei, unsere noch nicht erfüllten Sehnsüchte zu stillen. Wir gönnen uns die Siesta am Nachmittag, leben bewusst, kochen gesund, machen Reisen, pflegen unsere gesellschaftlichen Kontakte und haben sogar beide einen kleinen Nebenjob angenommen. Wir fühlen uns frisch, aktiv und mitten im Leben; und wenn uns mal zwischendurch ein Zipperlein plagt, bricht keine Welt zusammen. Die Zeit zum Auskurieren genehmigen wir uns!

Erzählen Sie Ihren Freunden von uns!

 

Kontaktieren Sie uns jederzeit für ein kostenloses Beratungsgespräch

Knoll Immobilien | Naarner Straße 3 | 4320 Perg

E-Mail: kontakt@knoll-immobilien.at

Tel. Nr.: 07262/52843  Mobil: 0664/2288700

Oder besuchen Sie uns auf Facebook!