Auf immer und ewig

 

 

Liebe, Ehe, Haus und Garten, Kinder, Enkelkinder, gemeinsam alt werden – bis dass der Tod euch scheidet! So stehts im Regelwerk, so stellt man sich einen „normalen“ Lebensweg vor. Mit rosaroter Brille tappt so mancher in eine emotionale und finanzielle Falle, die so lange behaglich zu leben ist, solange Liebe, Gesundheit, Arbeit und Lebensumstände bleiben, wie sie anfangs waren. Verändern sich aber einer oder mehrere dieser Bedingungen, kann die süße Falle zum existenzbedrohenden Fangeisen werden.

 

Heutzutage werden sehr viele Ehen geschieden, und die Gründe dafür sind vielschichtig: Das Ende der Liebe ist natürlich der häufigste Grund, aber es liegt oft auch an der beruflichen Unabhängigkeit der Partner, am besseren Lebensstandard gegenüber früher oder an der gesellschaftlichen Akzeptanz „getrennter Wege“.

Hat man sich allerdings in der anfänglichen Euphorie einer jungen Beziehung in finanzielle Abhängigkeiten begeben, ist es sehr schwierig und leidvoll, ja oft schier unmöglich bei einer Trennung einen Ausweg zu finden, der nicht im monetären oder psychischen Desaster endet.

 

Als Julia und Leo ihr erstes Kind erwarteten, war es notwendig, aus ihrer gemeinsamen Zweizimmerwohnung auszuziehen und sich nach einem größeren Wohnobjekt umzusehen. Sie hatten zwar noch keine ausreichenden Ersparnisse, aber einen einträglichen Beruf, waren jung, gesund und stark. Das niedrige Zinsniveau animierte sie zur Aufnahme eines hohen, aber günstigen Kredits und so kauften sie ein Haus mit Garten. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes stieg Julia aus dem Berufsleben aus und versorgte Kinder und Haushalt. Leo war tüchtig und konnte mit seinem guten Einkommen die Familie versorgen und die Kreditraten tilgen.

 

Als Leo eines Tages von einer Geschäftsreise heimkam, benahm er sich eigenartig, war kurz angebunden und einfach „durch den Wind“. Julia schob es auf den Stress und den Jetlag. Doch als die Symptome der Entfremdung nicht aufhörten, sondern immer deutlicher wurden und sich Leo immer mehr zurückzog, bekam sie Albträume und sah Leo mit einer anderen Frau ein neues Leben beginnen. Von Zukunftsängsten geplagt, beobachtete sie ihn und checkte heimlich sein Handy und seine Mails. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dies einmal zu tun, doch die plötzliche Unnahbarkeit und Sprachlosigkeit ihres Mannes veranlassten sie zu diesem Schritt.

Was sie entdeckte, waren allerdings nicht Liebesschwüre und Dates, sondern es waren deutliche Anzeichen für eine von Leo selbst eingereichte Kündigung und für einen drohenden Jobverlust.

Julia schämte sich wegen ihres mangelnden Vertrauens. Doch sie konnte sich nicht vorstellen, warum Leo von sich aus gekündigt hatte. Sie stellte ihn zur Rede, gab ihre „Recherchen“ zu und verlangte Aufklärung. Leo lief wütend aus dem Haus und kam erst im Morgengrauen zurück. Es war die schlimmste Nacht in Julias bisherigen Leben: Wie soll es weitergehen? Wann und wo bekommt Leo einen neuen Arbeitsplatz?  Können sie sich das Haus und ihren Lebensstandard weiterhin leisten? Soll sie wieder arbeiten gehen? Was werden die Eltern sagen? Was werden die Leute sagen?

Nachdem sich Leo ausgeschlafen hatte, setzten sie sich zusammen und führten erstmals nach langer Zeit wieder ein gutes Gespräch. Leo redete sich seinen Arbeitsfrust von der Seele. Er erklärte ihr, dass er dem Druck des Alleinverdieners nicht mehr gewachsen sei, dass er in der Firma wegen zahlreicher Entlassungen immer mehr Arbeit aufgeladen bekam und er sich nur mehr als Melkkuh der Familie und der Firma sah. Er war an den Punkt gekommen, an Plänen für eine neue Richtung in seinem Leben zu basteln, wohl mit Julia und den Kindern, jedoch in anderer Weise.

 

Geschockt und aus ihren bis vor kurzer Zeit ruhigen Bahnen gerissen, versank Julia in ein tiefes existenzbedrohendes Loch. Wie konnte er ihr ganzes redlich aufgebautes Leben aufs Spiel setzen? Wie konnte er alles über Bord werfen und ihr dies antun? Wie konnte er ihren beiden Kindern vermeintlich das Leben ruinieren? Wie konnte er nur?!

 

Der letzte Arbeitstag Leos kam schneller als erwartet. Nichts war geregelt und kein Job in Aussicht. Julia war noch immer wie versteinert und unfähig, Pläne zu schmieden und rationale Lösungen zu finden. Ihre Wut und ihre Enttäuschung über Leos Entscheidung saßen zu tief. Leo selbst aber beschloss, den Jakobsweg zu gehen und hoffte, sich auf diese Weise wieder zu finden und sich für einen Neustart zu rüsten. Auf dem Weg wurde ihm klar, dass er sich bezüglich Haus und Familie überschätzt hatte. Er konnte nicht alles alleine stemmen.                                                                              Zu Hause würde er Julia bitten, wieder eine Arbeit anzunehmen. Die Kinder waren schon groß genug, sie brauchten keine Rundumversorgung mehr durch die Mutter. Zu Hause würde er Julia bitten, über einen Verkauf des Hauses und die Übersiedlung in eine günstigere Wohnung nachzudenken. Zu Hause würde er endlich seinen Traum der beruflichen Selbständigkeit in Angriff nehmen. Er wusste, dass diese Veränderungen einschneidend und existentiell waren, doch er wusste auch, dass er nur auf diese Weise wieder glücklich werden konnte. Würde Julia dem zustimmen?

 

Julia und Leo sind seit zwei Jahren “glücklich“ geschieden. Ist das eine gewagte Behauptung?

Darf eine Beziehung enden, ohne als gescheitert zu gelten? Ein Ende der Hoffnungen, Träume und gemeinsamen Pläne? Sie darf! Eine Trennung ist allemal besser als eine unglückliche Ehe, in der sich der Einzelne nicht entfalten kann, in der die Kompromisse überhandnehmen und nur mehr die täglichen überlebensnotwendigen Bedürfnisse gestillt werden.

 

Warum sagen wir, eine Beziehung sei gescheitert, wenn sie nur zu Ende geht und neue Formen annimmt?

Was Julia und Leo verbindet, ist geblieben. Gegenseitiger Respekt, ähnliche Überzeugungen und Interessen und zwei wunderbare Kinder, denen sie weiterhin gute Eltern sind. Die räumliche Trennung, das nicht mehr Zusammen-Leben, machte jedoch beide frei für ihre psychische und physische Gesundung und frei für den Neustart!

Julia wohnt nun mit den Kindern in einer netten Wohnung und hat ihren früheren Job wieder angenommen. Sie lebt zufrieden und nach ihren eigenen Vorstellungen. Leo kann endlich seinen beruflichen Träumen nachgehen und verdient als Selbständiger einmal mehr und einmal weniger, aber ohne Druck und immer so viel, dass er zum Unterhalt der Kinder seinen festgelegten Beitrag leisten kann. Seine Wohnung ist klein, aber fein, und er hat genug Platz für die Kinder. Allerdings ist er genügsamer geworden! Sein Lebensstil hat sich nach dem Erlebnis des Jakobsweges verändert.

Sehr viele Ehen werden heutzutage geschieden, sehr viele Existenzen gehen den Bach hinunter, sehr viel Geld wird verbrannt, sehr viele Gefühle werden verletzt. Es muss auch nicht immer eine neue Liebe der Auslöser sein. Oft sind es Überforderung und Ohnmacht, die eine Beziehung zu Fall bringen.

 

Julia und Leo haben ihren persönlichen Weg gefunden, mit maximaler Effizienz und minimalem Schaden in ihr neues Leben einzutreten. Und wenn Trennungen auch kein Honiglecken sind, sondern harte, mühsame, oftmals schmerzvolle Lebensarbeit, entfalten sie sich nach der notwendigen „Trauerzeit“ letztendlich als eine gesunde Form persönlicher Auferstehung.

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