Anna und der nasse fleck

Mühsam schleppt sie sich die Stufen zu ihrer Wohnung im 4. Stock eines Mehrfamilienhauses hinauf: 45 Stufen, 4 Absätze! Kein Lift! Jedes Mal zählt sie in Gedanken mit. Das geschieht schon automatisch. Sie schiebt im Erdgeschoß den Kinderwagen beiseite und das Fahrrad, das im Weg steht. Sie weicht den Kindern aus, die lärmend runtersausen und ihr die Einkaufstasche beinah aus der Hand reißen. Sie hört, wie der Mann im 2. Stock sie grüßt, ihr aber keine Hilfe anbietet. Sie hält inne, um die Nachbarin aus ihrer Etage vorbei zu lassen, die es heute wieder besonders eilig hat. Sie zählt die Stufen, atmet, rastet, geht weiter, bis sie endlich oben ist.

 

Als sie vor vielen Jahren die Wohnung gekauft hatte, erfreute sie sich an der wunderbaren Aussicht vom Balkon, an der Ruhe im obersten Stock. Niemand trampelte über ihr herum, und die einzige Nachbarin war auch schon eine alte Dame, die ruhig lebte und den Gang vor ihrer Haustür in Ordnung hielt. Ja, und das Haus lag am Stadtrand im Grünen. Einige Schritte nur und man war am Fluss, am Feldweg, in der freien Natur.

Nun aber ist alles anders! Sie ist älter geworden, hat Beschwerden im Gehapparat, muss wegen eines Leidens regelmäßig zum Arzt oder ins Spital. Ihr einziges Kind lebt schon lange nicht mehr bei ihr. Sie ist auf sich selbst gestellt. Zu jung, um Pflegekräfte zu engagieren, zu alt und zu krank, um den Anforderungen und Abläufen des täglichen Lebens ohne Mühen zu entsprechen.

 

Die positiven Seiten der Wohnung sind plötzlich nicht mehr so relevant. Die Aussicht ist zwar noch immer wunderbar, doch sie nützt den Balkon wenig. Es zieht oder es ist heiß ganz oben. Vom Flachdach kommt bei starken Regenfällen immer wieder Wasser an einer Stelle durch und bahnt sich seinen Weg in ihr Badezimmer. Ein dunkler Fleck, der zwar immer wieder auftrocknet, aber ein unangenehmes Gefühl hinterlässt. Da muss etwas getan werden! Die Hausgemeinschaft schiebt die Sanierung immer wieder auf. Schließlich müssen alle mitzahlen, den nassen Fleck hat aber nur sie. Ja, und die nette Dame in der Nachbarwohnung ist schon vor einiger Zeit ins Seniorenheim gezogen. Die Wohnung hat nun eine junge Familie gemietet, die zwar sehr freundlich ist, aber es ist laut, die Türen schlagen, und der Gang ist vollgestellt mit Schuhen und Spielzeug, über das sie schon oftmals gestolpert ist. Und im Grünen steht das Haus schon lange nicht mehr. Viele Wohnblocks wurden rundherum gebaut und der Stadtrand ist keiner mehr. Er hat sich weiter hinaus verschoben. Die Spazierwege wurden von Skatern und Rollerfahrern in Beschlag genommen, die Feldwege wurden asphaltiert und zu Radfahrwegen umgewidmet und das Flussufer dient jetzt Freizeit- und Badezwecken. Man musste schon weit an den Stadtrand gehen, um wieder die Stille zu finden und sehr weit in die Stadtmitte um seine Besorgungen zu erledigen. Früher hatte sie ein Auto, dann ein Fahrrad, aber ihre Augen wurden schlecht, ihre Reaktion aufgrund ihres Leidens langsamer – so musste sie beides aufgeben.

 

Sie fühlt sich zwar immer noch wohl in ihrer gewohnten Umgebung, mit ihren Möbeln und den gewohnten Abläufen. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, WC. Sie braucht nachts nicht einmal das Licht aufzudrehen, um alles zu finden. In ihrer Wohnung ist alles auf seinem Platz, aber kaum tritt sie aus ihrem Refugium raus, ist alles anders. Sie fühlt sich unsicher, überfordert, nicht mehr stark genug fürs Leben außerhalb.

Es muss sich etwas ändern! So kann es nicht weitergehen!

 

Sie ist doch erst 70 und will noch ein gutes, erfülltes Leben genießen. Sie will sich das Leben erleichtern, ohne ihre Selbständigkeit aufzugeben. Sie will trotz ihrer körperlichen Schwächen und Gebrechen selbstbestimmt leben.

Das Inserat geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie hat es heute in der Zeitung gesehen und mit Leuchtstift umrahmt:

Neue Singlewohnung, 50 m², barrierefrei, Lift, im Stadtzentrum, bei Bedarf Möglichkeit zum Anmieten einer Einzimmerwohnung für Pflegekraft,… und die Telefonnummer des Maklers. Zwei Wochen lang starrt sie tagtäglich auf den Zeitungsteil mit dem Inserat, den sie am Tisch liegen ließ. Dann greift sie zum Hörer!

 

Seit einem Jahr ist Anna nun in der neuen Wohnung. Ihre Beschwerden sind nicht weniger geworden, doch sie meistert ihr Leben nun wieder ohne Mühen. Stufen zählen gehört der Vergangenheit an! Mit ihrem Wohnungsrollator fegt sie durch ihre barrierefreien Räume und selbst das Bad und die Toilette sind so breit, dass sie mühelos hineinrollen kann. Die Duschkabine ist breit und ohne Sockel, die Türen haben keine Schwellen, der Lift ist einige Meter von ihrer Wohnungstür entfernt. Und im Erdgeschoß, neben der Lifttür, steht der „Stadtrollator“ in einem kleinen Abteil neben dem Kinderwagen der jungen Familie aus dem ersten Stock. Der begleitet sie auf ihren Einkäufen, Arztbesuchen, in die Apotheke, zum Friseur, zur Pediküre und Massage, auf diverse Ämter, in die Kirche und zu ihrer Freundin, die sie nun öfter besucht.

 

Anna fühlt sich wieder frei, Anna fühlt sich stark und braucht nur wenig Hilfe. Als sie im Sommer nach einer Operation vom Spital heimkam, mietete sie die kleine Einliegerwohnung für einen Monat an und besorgte sich eine Pflegerin, die sie aufpäppelte, daheim, in Annas eigenen 4 Wänden!

 

Manchmal denkt Anna noch an den nassen Fleck im Badezimmer, an die 45 Stufen und 4 Absätze, an die Stolpersteine im Stiegenhaus und den ehemaligen Stadtrand im Grünen. Und sie ist froh, dass es sie gab. Sie haben ihr die Entscheidung erleichtert, noch einmal zu Übersiedeln und ihr letztendlich zu einem bequemeren, geruhsameren Leben verholfen. Und statt der großartigen Aussicht vom Balkon der alten Wohnung hat sie jetzt einen positiven Ausblick in die Zukunft!

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