Abendstille

Solange man sich im Rausch der Entscheidung eines Haus-oder Wohnungsverkaufes, des Suchens und Findens, des Übersiedlungseifers und der Freude auf einen Neubeginn befindet, hat man selten düstere Gedanken. Der Grund? Man hat einfach keine Zeit dazu! Doch je näher der Termin rückt, an dem man sein trautes Heim verlassen soll, desto mehr verklärt sich der Blick auf das, was man aufgibt. Am letzten Abend vor dem Umzug eskaliert dieses Gefühl und droht, das ganze Vorhaben zu kippen.

 

Die Sonne geht mit einem wunderschönen Abendrot westlich unseres Gartens unter. Ich trete auf die Terrasse, und je dunkler es wird, desto dunkler färbt sich mein Gemüt. Es ist der letzte Abend in unserem Haus. Wir haben es verkauft und übersiedeln morgen in unsere neue Wohnung in einem nahen Ort. Der gesamte Hausrat ist schon weg, im Schlafzimmer liegen nur mehr unsere zwei Matratzen, und die wenigen Kleidungsstücke nehmen wir aus dem Koffer. Es sieht kalt aus, leer und ungemütlich. Und es ist still! So still, dass ich mein Herz klopfen höre. 

Da keine Heizung klopft, kein Wasserhahn rauscht, kein Radio oder Fernseher läuft, keine Vorhänge hinter geöffneten Fenstern flattern, kein Kochtopf pfeift, keine Alltagsgeräusche mehr hörbar sind, spüre ich die Stille körperlich. Das Haus ist leer, und auch ich fühle mich plötzlich leer und von Zweifeln geplagt:  Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Werden wir uns je wieder so wohl fühlen in unseren vier Wänden? Werden wir uns mit den neuen Nachbarn gut verstehen? Werden wir uns an den neuen Ort und die Umgebung gewöhnen?  

 

Die Zweifel kriechen in mir hoch und schnüren mir den Hals ab. Der Druck in der Magengegend nimmt zu. Ich atme tief, und die Tränen steigen in meine Augen. Ich weine hemmungslos! Nach all den Monaten der Entscheidungsfindung, des Entschlusses zum Neustart, der Übersiedlungsarbeit, der Neueinrichtung der Wohnung und der immensen Vorfreude, falle ich plötzlich in ein tiefes Loch. So habe ich mir das nicht vorgestellt!

 

Die altgewohnte Umgebung aufzugeben, könnte sich als folgenschwerer Irrtum herausstellen, den ich ewig bereuen würde. Die schönen Spazierwege gleich vor der Haustür, der frische Wind auf der Anhöhe, der nahe Friedhof, auf dem meine Eltern und Großeltern liegen, die altbekannten Geschäfte im Ort, die bekannten Gesichter vom Briefträger, Paketdienst, Bäcker, Zeitungszusteller und von den Müllmännern! Die Nachbarskatzen werden mir fehlen, die uns täglich besuchen, … und… und … Selbst die Nachbarn, mit denen wir einen guten, aber eher losen Kontakt haben, transformieren in meinen Gedanken zu besten Freunden, die ich im Stich lasse.

 

Meinen Heimatort zu verlassen, erscheint mir als Hochverrat an meinen Großeltern, Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten. Ich bin traurig, entmutigt, ja fast verzweifelt, ob der Unabwendbarkeit und Endgültigkeit unserer Entscheidung!

 

Die Sonne geht mit einem wunderschönen Morgenrot östlich unseres Gartens auf. Ich trete nach einer unruhigen Nacht auf die Terrasse und blicke ins Morgenlicht. Je heller es wird, desto heller färbt sich mein Gemüt. Es ist der erste Tag unseres neuen Lebensabschnitts. Wir haben unser Haus verkauft und übersiedeln heute in die neue, traumhaft schöne und bequeme Wohnung im Nachbarort. Plötzlich sind alle Zweifel wie weggewischt! Im Schlaf haben sich meine Gedanken geordnet, der Druck ist weg und die Freude ist wieder da. 

 

Was war das gestern abends bloß?      

Warum das Altgewohnte, Altbekannte, Althergebrachte derart hochjubeln und sich damit die Freude am Neuen vermiesen? Die Umgebung im neuen Wohnort ist mir ja auch bekannt, und die neuen Spazierwege sind sicher interessant. Der Wind am Berg bereitet mir meist ohnehin nur Kopfweh und zum Friedhof fahre ich halt mit dem Auto, das wird meinen Altvorderen nichts ausmachen. Warum ich den Geschäften nachtrauere, erscheint mir jetzt absurd, da ich ja meist in die Stadt zum Einkaufen fahre. Eben in diese Stadt, in der ich nun mein neues Domizil habe, und von dem sie fußläufig erreichbar sind. Der griesgrämige Briefträger, der zwischen Hausnummer a - b - c - d nicht unterscheiden kann, der eilige Paketdienst, von dem ich sämtliche Pakete der Siedlung annehmen muss, da ich nachmittags zu Hause bin. Bäcker, Zeitungszusteller und Müllmänner bekommt man sowieso kaum jemals zu Gesicht. Ja, und für die Nachbarskatzen ist unser Garten eigentlich ein großes Katzen WC. Die Nachbarn, die ich gestern noch zu besten Freunden hochgejubelt hatte, stürzen nun wieder an ihren angestammten Platz, nämlich dem der guten, respektvollen, situationselastischen Beziehung. Unsere echten, gewachsenen Freunde bleiben sowieso, egal wo wir wohnen. Der Hochverrat war plötzlich keiner mehr und mutierte zu einem Hochgefühl der Freude, des Stolzes und der Neugier!

 

 

Guten Morgen Sonnenschein, wir kommen!!!

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